Die zeitgenössische Musik spielt von jeher an der Detmolder Hochschule eine wichtige Rolle. Hier lehrten Komponisten wie Wolfgang Fortner, Günther Bialas, Johannes Driessler, Giselher Klebe, Rudolf Kelterborn oder Walter Steffens ebenso wie der Pianist und Cembalist Franzpeter Goebels oder der Musikwissenschaftler Karl H. Wörner. Sie alle prägten das Ausbildungsprofil Detmolder Studenten insbesondere in Hinblick auf die Musik der Gegenwart.
Derzeit stellen insbesondere die Prof. Peter Prommel (Schlagzeug) und Prof. Martin Christoph Redel (Komposition) ihre langjährigen Erfahrungen in der Interpretation neuer und neuester Musik in den Dienst der Lernenden, indem sie neben den wöchentlich stattfindenden Werkstattkonzerten im Schlagzeughaus in jedem Semester auch eine "Lange Nacht der Neuen Musik" unter dem Titel "Musica Viva Open" veranstalten. Diese Konzerte sind die Ziele vorausgegangener Proben der Studentenensembles mit den genannten Professoren, wobei es sich entweder um größer besetzte und dann auch dirigierte Ensemblewerke (z.B. "Oiseaux exotiques" von Olivier Messiaen) oder kleiner besetzte Kompositionen handeln kann. Selbstverständlich stehen hier auch die Werke aus der Kompositionsklasse zur Debatte, so dass durch die Kommunikation zwischen gleichaltrigen Interpreten und Komponisten ein fruchtbarer Dialog über ästhetische wie technische Fragen in Gang kommen kann.
Die Erarbeitung der Werke mit Unterstützung der Professoren findet in regelmäßig terminierten Zeiträumen statt nachdem die Studierenden sich die kammermusikalischen Kompositionen in Absprache mit den Lehrenden selbst aus dem Fundus der Hochschulbibliothek gesucht haben. Schon hierdurch werden die technisch-organisatorischen Fähigkeiten der Studierenden ebenso gefordert wie die künstlerische Entscheidungskompetenz hinsichtlich der Frage, welches Werk von seiner Ästhetik oder den spieltechnischen Ansprüchen her für die in Rede stehende Studentenformation passend sein könnte.
Der Schwerpunkt der Probenarbeit kann auf unterschiedlichen Gebieten liegen: manchmal sind es ungewöhnliche Notations- oder Zusammenspieltechniken, die den an klassische Formen des Ensemblespiels gewohnten Studierenden vermittelt werden müssen (z. B Cage), und in anderen Fällen steht die Erarbeitung neuer Spieltechniken und die Produktion ungewohnter Klangfarben im Zentrum der Arbeit (z.B. Lachenmann). In jedem Falle wird das künstlerische Spektrum aller Lernenden durch diese Arbeit enorm erweitert, was mit Blick auf das heute durchaus gängige Berufsziel des freien Ensemblemusikers - auch und gerade in Ensembles für Neue Musik - ein unverzichtbares Modul in der musikalischen Hochschulausbildung sein muss.
Flankierend zu diesen praktischen Übungen auf dem Gebiet der zeitgenössischen Musik gibt es - in jedem Semester wechselnde - Lehrangebote der Kolleginnen und Kollegen des Faches Musiktheorie, wie z.B.
- Vorlesung Neue Musik (2 Semester)
- Werkanalyse-Kurse zu
- speziellen Komponisten (Messiaen, Lutoslawski)
- speziellen Kompositionstechniken (z.B. Dodekaphonie, Serialismus)
- speziellen ästhetischen Richtungen ("Polnische Schule, 2. Wiener Schule, "Minimal-Music", "Neue Einfachheit", "Musik über Musik" etc.)
Sonderveranstaltungen wie Komponistenportraits, Vorträge zu speziellen Fragen der zeitgenössischen Musik, Kurse von Interpreten mit besonders reichhaltiger Erfahrung auf dem Gebiet der Gegenwartsmusik und Sonderkonzerte bzw. Konzertreihen in Jubiläumsjahren (z. B. Schostakowitsch, Messiaen, Klebe u.a.) runden das Gesamtbild der MUSICA VIVA DETMOLD ab.

