Historische Aufführungspraxis
Die Erarbeitung der Werke geschieht unter besonderer Berücksichtigung einer historisch orientierten und historisch fundierten Aufführungspraxis. Sprechende Artikulation, Berücksichtigung des Akzentstufentakts, sparsamer Einsatz des Vibratos, Messa di voce-Technik sind nur einige Parameter einer insgesamt sehr kammermusikalischen Musizierweise, bei der jedes Ensemblemitglied individuell gefordert ist. Da immer häufiger in der Konzertpraxis des späteren Berufs die Kenntnis dieses barocken Musizierstils gewünscht wird, ist es dringend notwendig, bereits im Studium historische Spiel- und Gesangspraxis zu vermitteln und anhand beispielhafter Werke der Barockliteratur zu erarbeiten. Darüber hinaus gilt es, die Studierenden frühzeitig mit einem Repertoire bekannt zu machen, das in ihrem späteren Berufsleben zum Alltag gehört: die großen geistlichen Werke von Bach und Händel.
Wir finden, daß die Erlernung dieser Musizierweise auch auf neuen Instrumenten sehr wichtig ist, da in der Berufspraxis oft keine alten Instrumente zur Verfügung stehen. Trotzdem sollten alte Instrumente das Ziel sein, da Vieles (wie z. B. die Klangbalance zwischen Chor und Orchester) damit besser zu realisieren ist. Die Hochschule hat in dieser Richtung schon Einiges auf den Weg gebracht, wie z. B. die Anschaffung von Barockbögen oder jüngst die Anschaffung von Barockpauken. Letztere wurden beim Bachschen Weihnachtsoratorium im vergangenen Dezember und beim Mozartrequiem im Mai (hier zusammen mit Ventiltrompeten und Barockposaunen) eingesetzt.